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Ratgeber · Liquidität

Liquiditätsplanung erstellen: Anleitung in 6 Schritten mit Excel-Vorlage

Von Marcello Frisella · 21.10.2026 · 5 Min. Lesezeit

Kurz beantwortet

Eine Liquiditätsplanung stellt Monat für Monat alle erwarteten Einzahlungen und Auszahlungen gegenüber und zeigt den Kontostand am Monatsende. Sie erstellen sie in sechs Schritten: Anfangsbestand festlegen, Einzahlungen nach Zahlungseingang planen, betriebliche Auszahlungen erfassen, Finanzierung, Investitionen und Steuern ergänzen, Endbestand mit Kreditlinie und Mindestreserve vergleichen, monatlich rollierend aktualisieren.

Eine Liquiditätsplanung beantwortet eine einzige Frage: Kann Ihr Unternehmen in jedem der nächsten Monate seine Rechnungen bezahlen? Gewinn allein beantwortet diese Frage nicht. Ein profitables Unternehmen kann zahlungsunfähig werden, wenn Kunden spät zahlen, eine Investition vorfinanziert werden muss oder Steuernachzahlungen zusammenfallen.

Diese Anleitung zeigt den Aufbau einer Liquiditätsplanung, die sechs Schritte zur Erstellung und ein vollständiges Rechenbeispiel.

Was eine Liquiditätsplanung ist

Die Liquiditätsplanung (auch Liquiditätsplan oder Finanzplan) stellt für jeden Monat drei Größen gegenüber:

Größe Bedeutung
Anfangsbestand Guthaben auf allen Geschäftskonten und in der Kasse zu Monatsbeginn
+ Einzahlungen Geld, das im Monat tatsächlich eingeht
− Auszahlungen Geld, das im Monat tatsächlich abfließt
= Endbestand Kontostand am Monatsende, zugleich Anfangsbestand des Folgemonats

Entscheidend ist das Wort tatsächlich. Geplant wird der Zeitpunkt der Zahlung, nicht der Zeitpunkt der Rechnung. Eine Rechnung vom 20. März mit 30 Tagen Zahlungsziel ist eine Einzahlung im April.

Liquiditätsplanung erstellen in 6 Schritten

1. Planungszeitraum und Anfangsbestand festlegen

Planen Sie 12 Monate im Voraus, aufgeteilt in Monate. Als Anfangsbestand tragen Sie die Summe aller Geschäftskonten und der Kasse am ersten Tag ein. Die Kontokorrentlinie gehört nicht in den Anfangsbestand. Sie wird separat geführt, damit Sie sehen, wie stark Sie sie beanspruchen.

2. Einzahlungen nach Zahlungseingang planen

Die wichtigste Quelle sind Zahlungen Ihrer Kunden. Planen Sie sie in zwei Schritten:

  1. Umsatzplanung je Monat (netto plus Umsatzsteuer, denn Kunden zahlen brutto).
  2. Verschiebung um das tatsächliche Zahlungsverhalten. Zahlen Ihre Kunden im Schnitt nach 35 Tagen, landet der Umsatz eines Monats überwiegend im Folgemonat.

Dazu kommen Barumsätze, Darlehensauszahlungen, Kapitaleinlagen, Fördermittel und Umsatzsteuererstattungen.

3. Laufende betriebliche Auszahlungen erfassen

Am einfachsten gehen Sie Ihre Kontoauszüge der letzten drei Monate durch und gruppieren die Abbuchungen:

  • Wareneinkauf und Material
  • Löhne und Gehälter netto
  • Sozialabgaben und Lohnsteuer (fällig am drittletzten Bankarbeitstag des Monats bzw. am 10. des Folgemonats)
  • Miete, Energie, Versicherungen, Leasing
  • Marketing, IT, Fahrzeuge, Beratung

Achten Sie auf unregelmäßige Zahlungen: Versicherungen jährlich oder quartalsweise, Weihnachtsgeld im November oder Dezember, Kfz-Steuer, Berufsgenossenschaft.

4. Finanzierung, Investitionen, Steuern und Privatentnahmen ergänzen

Diese Posten trennen Sie vom laufenden Betrieb, weil sie anders gesteuert werden:

  • Zins und Tilgung von Darlehen
  • Investitionen (Maschinen, Fahrzeuge, Software)
  • Umsatzsteuer-Zahllast (bei Dauerfristverlängerung einen Monat später)
  • Vorauszahlungen für Körperschaft-, Gewerbe- oder Einkommensteuer, in der Regel quartalsweise
  • Privatentnahmen bzw. Gewinnausschüttungen

5. Endbestand mit Kreditlinie und Mindestreserve vergleichen

Jetzt ergibt sich für jeden Monat der Endbestand. Bewerten Sie ihn mit zwei Schwellen:

  • Mindestreserve: ein Puffer, den Sie nicht unterschreiten wollen, etwa die fixen Auszahlungen von ein bis zwei Monaten.
  • Verfügbare Liquidität: Endbestand plus nicht genutzte Kontokorrentlinie.

Daraus folgt eine einfache Ampel:

Status Bedingung Bedeutung
OK Endbestand ≥ Mindestreserve Kein Handlungsbedarf
Unter Reserve Endbestand < Mindestreserve, verfügbare Liquidität ≥ 0 Reserve oder Kreditlinie wird angegriffen; Maßnahmen vorbereiten
Unterdeckung Verfügbare Liquidität < 0 Auch die Kreditlinie reicht nicht; sofort gegensteuern

6. Monatlich rollierend aktualisieren

Ein Liquiditätsplan ist nur so gut wie seine letzte Aktualisierung. Tragen Sie jeden Monat die Ist-Zahlen des Vormonats ein, prüfen Sie die Abweichungen und schreiben Sie den Plan um einen Monat fort. So blicken Sie immer 12 Monate nach vorn.

Rechenbeispiel: Wenn die Investition vor dem Darlehen kommt

Ein Handelsunternehmen mit rund 50.000 € Monatsumsatz startet mit 12.000 € auf dem Konto, hat eine Kontokorrentlinie von 20.000 € und will mindestens 10.000 € Reserve halten. Im April wird eine Maschine für 25.000 € bezahlt. Das Investitionsdarlehen über 30.000 € fließt aber erst im Juni.

März April Mai Juni
Einzahlungen 48.200 52.950 55.600 86.800
Auszahlungen 53.820 77.230 51.910 54.340
Saldo −5.620 −24.280 3.690 32.460
Kontostand Monatsende 14.090 −10.190 −6.500 25.960
Status OK Unter Reserve Unter Reserve OK

Über das Jahr gerechnet ist alles in Ordnung. Im April und Mai rutscht das Konto aber ins Minus, die Kreditlinie ist zur Hälfte ausgeschöpft. Ohne Plan hätte der Geschäftsführer das erst am Kontoauszug bemerkt. Mit Plan kann er rechtzeitig reagieren: die Darlehensauszahlung vorziehen, die Maschine später abnehmen, eine Anzahlung beim Kunden vereinbaren oder Lieferantenziele verlängern.

Typische Fehler

  • Rechnungsdatum statt Zahlungsdatum. Der häufigste Fehler. Er macht den Plan regelmäßig zu optimistisch.
  • Netto statt brutto. Kunden zahlen mit Umsatzsteuer, das Finanzamt bekommt sie später. Beide Seiten gehören in den Plan.
  • Abschreibungen eingeplant. Abschreibungen sind Aufwand, aber keine Zahlung. Die Zahlung war die Investition.
  • Tilgung vergessen. Tilgung ist kein Aufwand, also nicht in der BWA, aber sehr wohl eine Auszahlung.
  • Einmalige Zahlungen übersehen. Steuernachzahlungen, Jahresbeiträge, Weihnachtsgeld.
  • Plan einmal gemacht und abgelegt. Ohne monatliche Aktualisierung ist er nach einem Quartal wertlos.

Pflichten für GmbH- und UG-Geschäftsführer

Seit 2021 verpflichtet § 1 des Unternehmensstabilisierungs- und -restrukturierungsgesetzes (StaRUG) die Geschäftsleitung haftungsbeschränkter Unternehmen, Entwicklungen, die den Fortbestand gefährden können, fortlaufend zu überwachen und bei Bedarf Gegenmaßnahmen zu ergreifen. Eine laufende Liquiditätsplanung ist das naheliegende Werkzeug dafür.

Auch für die Insolvenzantragspflicht ist sie zentral: Zahlungsunfähigkeit nach § 17 InsO liegt nach der Rechtsprechung in der Regel vor, wenn eine Liquiditätslücke von 10 % oder mehr nicht innerhalb von drei Wochen geschlossen werden kann. Wer seine Liquidität plant, erkennt solche Lücken Monate vorher. Bei konkreten Krisenanzeichen sollten Sie sich von Steuerberater oder Rechtsanwalt beraten lassen.

Vorlage oder selbst bauen?

Eine einfache Liquiditätsplanung lässt sich in einer leeren Excel-Tabelle in zwei bis drei Stunden aufbauen. Fehleranfällig sind vor allem die Verkettung der Anfangs- und Endbestände, die Summenbildung über mehrere Blöcke und die Ampellogik. Unsere Liquiditätsplanung als Excel-Vorlage enthält genau die Struktur aus dieser Anleitung: 22 Zahlungspositionen in drei Blöcken, Kreditlinie, Mindestreserve, Ampel je Monat und ein Diagramm des Kontostands. Das Rechenbeispiel oben stammt aus den mitgelieferten Beispieldaten.

Häufige Fragen

Was ist eine Liquiditätsplanung?

Eine Gegenüberstellung aller erwarteten Einzahlungen und Auszahlungen eines Unternehmens für einen bestimmten Zeitraum, meist 12 Monate auf Monatsbasis. Sie zeigt, ob das Unternehmen jederzeit zahlungsfähig bleibt.

Wie weit im Voraus sollte man die Liquidität planen?

Üblich sind 12 Monate auf Monatsbasis. In angespannten Phasen ergänzen viele Unternehmen eine 13-Wochen-Planung auf Wochenbasis. Für die Prüfung einer drohenden Zahlungsunfähigkeit nach § 18 InsO ist in aller Regel ein Zeitraum von 24 Monaten maßgeblich.

Was ist der Unterschied zwischen Liquiditätsplanung und Rentabilitätsplanung?

Die Rentabilitätsplanung zeigt Erträge und Aufwände und damit den Gewinn. Die Liquiditätsplanung zeigt Zahlungsströme und damit den Kontostand. Abschreibungen stehen nur in der Rentabilitätsplanung, Tilgungen und Investitionen nur in der Liquiditätsplanung.

Ist eine Liquiditätsplanung Pflicht?

Für Kapitalgesellschaften wie GmbH und UG verlangt § 1 StaRUG, dass die Geschäftsleitung Entwicklungen, die den Fortbestand gefährden können, fortlaufend überwacht. Eine laufende Liquiditätsplanung ist das gängigste Mittel dafür. Banken verlangen sie zudem regelmäßig bei Kreditanträgen.

Wie hoch sollte die Liquiditätsreserve sein?

Eine verbreitete Faustregel sind die fixen Auszahlungen von ein bis drei Monaten, also vor allem Löhne, Miete, Leasing und Tilgung. Wie viel sinnvoll ist, hängt davon ab, wie stark Ihre Einzahlungen schwanken.

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